TV ohne Quote: Gottschalk hat immer davon geträumt

Fernsehmanager sind derzeit auf eine harte Probe gestellt. Denn wegen eines technischen Fehlers ist die TV-Branche ihrer wichtigsten Währung beraubt: Es gibt keine Einschaltquoten. Seit vergangenen Donnerstag ist das schon so, und bis mindestens diese Woche Donnerstag (18. Januar) ändert sich daran auch nichts, wie die Arbeitsgemeinschaft Videoforschung (AGF) per Pressemitteilung bekannt gegeben hat. Der Grund für die Panne sei in Übertragungsproblem zwischen dem verantwortlichen Marktforschungsinstitut GfK und den Messhaushalten, die mit sogenannten TC score-Messgeräten ausgestattet seien. Die GfK arbeite derzeit unter Hochdruck daran, die Verbindung zu den Messhaushalten wieder herzustellen.

Die Reaktionen in der TV-Branche auf den Quoten-Blackout fallen gemischt aus. Das Branchenmagazin dwdl.de resümiert nach einer Umfrage, die Stimmung sei zwar angespannt. Doch der Unmut halte sich noch in Grenzen. Die Sender vertrauten auf die Ankündigung der GfK, dass die fehlenden Daten nachgeliefert werden, sobald die Technik wieder funktioniert. Ein Verlust der Zahlen wäre ein harter Schlag – fürs Geschäftsmodell werbefinanzierter Programme sind die Quoten essentiell.

Kreative und Zuschauer nehmen die kaputten Quoten im Netz hingegen mit Humor. Thomas Gottschalk schreibt etwa bei Twitter, vom Fernsehen ohne Quoten habe er immer geträumt. Der Schauspieler, Comedian („Switch“) und Regisseur Michael Kessler äußert sich ähnlich: Von ihm aus könne das mit den Quoten ruhig so bleiben.

Quelle: Twitter / @herbstblond

Auch der Satiriker, Journalist und Politiker Martin Sonneborn meldet sich via Twitter zu Wort. Er und weitere Zuschauer fragen, ob sich in Zeiten ohne Quote (und damit verbundene Zwänge) nicht auch das Programm ändern ließe.

Die Zeitung „Welt“ regt unterdessen in einer sehr unterhaltsamen Glosse ein ungeniertes Durcheinanderwirbeln von Kategorien und Sendeplätzen an. Der luftleere Quotenraum solle Wege auf eine bisher unbegangene Spielwiese öffnen. Reportagen und Dokumentationen könnten früher laufen, der Schlager-Marathon erst nachts. Das ZDF streicht den Bergdoktor und hebt dafür die 3sat-Doku „Wunderwerk Penis“ ins Hauptprogramm. Motto: Mögen die Fernsehmacher das Fehlen der Quoten als willkommene Auszeit begreifen, wie Karneval oder die Wochen nach dem Abitur.

Chris Berdrow


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